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Vierflüssefahrt Fahrradtour durch
Deutschland 2011
__________________________________________________________________ Unsere Anreise nach HamelnAuf dieser
Radreise sind zwei Teilnehmer, das sind Turid und
Terje. Terje hat über ein Jahr später die
Fahrradtour beschrieben und ins Internet gebracht.
Turid und Terje sind aus Norwegen, und wir sind keine
deutschen Muttersprachler. Deshalb ist es durchaus
möglich, dass dieser Bericht einige fremde und
ungewöhnliche Formulierungen enthält. Wir treffen andere Radfahrer
(reell und virtuell)
Am
nächsten Morgen, bevor die Wittrams wieder nach
Hause reisten, verabschiededen wir uns. Heidi und
Martin wünschten uns eine schöne und
interessante Radtour an den vier deutschen
Flüssen; Weser, Werra, Itz und Main. Dann waren
Turid und ich allein, und wir hatten eine
dreiwöchige Radtour vor uns. Erst brauchten wir
Unterlagen für unsere Fahrt, und wir suchten eine
Buchhandlung auf, wo wir die gefalteten Radwanderkarte
von Public Express (Die Karten mit der Sonne) kauften.
Dann konnten wir auf dem Weserradweg unsere Radtour
starten. Auf der Weseraue, wo uns der Weserradweg nach
Süden führte, trafen
wir fast ein anderes radfahrendes Ehepaar, dessen
Fahrradgeschichten wir im Internet gelesen hatten.
Genau an derselben Stelle, wo Suzanne Gibson ein Bild
von ihrem Mann gemacht hatte, habe ich eine Aufnahme
von Turid gemacht. Wie Sie sehen, radelten wir in
entgegengesetzter Richtung. Es war ganz zufällig,
dass unsere Wege sich so kreuzten. Erst ein halbes
Jahr später habe ich in Suzanne Gibsons
Erzählung das Bild gefunden. Suzanne und Janos
Kartész waren einen Monat vor uns da an dieser
Stelle auf dem Weserradweg, und wir sahen uns leider
nicht. Ich finde Suzanne Gibsons Radgeschichten sehr
gut. Sie sind mit viel Liebe zum Radfahren
geschrieben, und ich möchte zugeben, dass ihre
Geschichte ein Jahr früher, als die beiden dem
Main-Radweg folgten, eine wichtige Inspirationsquelle
für unsere jetzige Radtour gewesen ist. Der
Treffpunkt, wo sich Tourenradler kennen lernen,und
sich über Radtouren anderer Tourenradler
informieren, sind die Trento Bicycle Pages.
Bad Karlshafen und seine Folgen.Unterwegs,
durch Dörfer und kleine Städte sahen wir
überall anmutige Fachwerkhäuser. Auch bei
uns in Skandinavien sind die Häuser in
Fachwerk-Bauweise gebaut, aber bei uns ist das
Fachwerk durch Latten gedeckt. In Deutschland ist die
traditionelle Bauweise so, dass die Balken des
Fachwerks gut sichtbar sind. In den Fächern oder
Zwischenräumen zwischen den Balken hat man
Füllmaterial aus Lehm oder Kuhmist mit Stroh
vermischt, verwendet. Heutzutage sind diese
Häuser mit frohen Farben versehen. Die Balken
sind braun, rot, schwarz oder blau gestrichen,
während die Fächer in blendend weiß
gekalkt sind. In Holzminden, wo wir zum ersten Mal im
Zelt übernachteten, sahen wir viele solche
Häuser. In Höxter wurden wir noch mehr
beeindruckt. Ein typisches Merkmal für die
Fachwerkhäuser in Niedersachsen sind die
großen Rosetten an den Wänden. ![]()
Die Weser
ist Grenzfluss, und mitten im Fluss geht die Grenze
zwischen unterschiedlichen Bundesländern. Oder
die Landesgrenzen befinden sich in der Flussnähe. Unterwegs konnten wir nicht
wissen, ob wir in Niedersachen oder in
Nordrhein-Westfalen waren. Als wir am anderen Ufer Bad
Karlshafen erblickten, waren wir noch in einem anderen
Bundesland, diesmal in Hessen. Bad Karlshafen hat eine
interessante Geschichte, weil Hugenotten, Vertriebene
aus Frankreich sich da ansiedelten. In Bad Karlshafen
hatte man seinerseits ein gigantisches Projekt
angefangen, nämlich einen Kanal von der Weser bis
an die Lahn zu bauen. Das waren für uns
Gründe genug, einige Zeit in Bad Karlshafen zu
verweilen. Wir ließen uns auf dem Campingplatz
am anderen Ufer nieder. Da bekamen wir einen Zeltplatz
in der prallen Sonne. Weder dem Gepäck noch den
Fahrrädern ging es in der Hitze gut. Am Abend
radelten wir in die Stadt und sahen uns den unfertigen
Kanal an. Am Eingang zum Kanal stand ein niedliches
Fachwerkhaus. Wir wunderten uns, welchem Zweck dieses
Turmhäuschen diente. Es stellte sich heraus, dass
es ein Pegelhaus war, wo der Wasserstand der Weser
gemessen wurde. Nachdem wir gegessen
hatten und zum Campingplatz zurückkamen, sahen
wir, dass in unserem Vorrat die Butter geschmolzen war
und das Gepäck verdreckt hatte.
Die Hitze hatte auch eine Einwirkung auf die
Fahrräder gehabt, aber das erfuhren wir erst am
nächsten Tag.
![]() Auf dem weiten Weserradweg. Kurz vor dem
ehemaligen Benediktinerkloster in Bursfelde hatte ich
eine Reifenpanne, und zwar einen komplizierten
Plattfuß. Ein Flicklappen hatte sich
gelöst, und als ich den Flicklappen
entfernen wollte, entstand ein Riss im Schlauch. Hier
gab es nur eins zu tun, den ganzen Schlauch zu
ersetzen. Natürlich hatte ich einen
Reserveschlauch mit. Ich bin sicher, dass die Hitze am
vorigen Tag der Flickstelle zugesetzt hatte und den
Leim aufgelöst hatte. Bei der Einfahrt in
Hannoversch Münden habe ich auf Turid gewartet,
und das war zufällig vor einem
Fahrradgeschäft. „Brauchen Sie etwas?“ fragte
mich der Verkäufer, der vor dem Geschäft
stand und rauchte. „Ja, einen Reserveschlauch
könnte ich brauchen.“
Weser wird zu
Werra.
![]() ![]() Hannoversch
Minden ist eine eindrucksvolle Stadt. Da gibt es bunte
Fachwerkhäuser in allen Ausführungen. "Guck
mal," sagte Turid." Die Häuser sind in den oberen
Etagen breiter als im Erdgestock" Die Stadt lud zum
Verweilen ein. Wir suchten die Stelle auf, wo die
Fulda in die Weser mündet, oder mündet die
Fulda in die Werra. Jedenfalls wird hier die Weser
umbenannt, aber es ist keine Überraschung, dass
die beiden Namen dieselbe Wurzel haben. Schon die
Ähnlichkeit der beiden Flussnamen deuten auf
einen gemeinsamen Ursprung. Auf
unserer weiteren Fahrt folgten wir der Werra. Mit der
Radwanderkarte Weser war es jetzt Schluss, und
optimistisch folgten wir dem Werraradweg ohne
Fahrradkarte. Wir hatten schon in der
Tourismusinformation Hannoversch Münden
festgestellt, dass der nächste Campingplatz bald
kommen würde. Das war der Campingplatz Laubach.
Nachdem wir unter den gigantischen Brücken der
Autobahn und der ICE-Strecke gefahren waren, sahen wir
einen Wegweiser rechts nach Laubach. „Das kann nicht
stimmen“, sagte ich, „denn der Campingplatz sollte
direkt an der Werra liegen. Wir wählten trotzdem
den Ort Laubach und kletterten in kleinen Gängen
die Steigungen hinauf. In der Ortschaft hing ein
Stadtplan, der zeigte, dass der Campingplatz doch
unten am Fluss war. Aber vor der Abfahrt musste ich
feststellen, dass ich wieder eine Reifenpanne bekommen
hatte. Ich habe den Schlauch aufgepumpt, so dass wir
die Straße hinuntersausen konnten. Die Luft
hielt noch, aber nicht lange. Die letzten hundert
Meter vor dem Campingplatz musste ich absteigen und
schieben. Der Schlauch, den ich früher an diesem
Tag eingebaut hatte, war nicht neu, und er hatte schon
einige Flickstellen, deren Leim die Sonne am
Campingplatz bei Bad Karlshafen aufgelöst hatte.
Die alte Flickstelle ließ sich nicht reparieren.
Glücklicherweise hatte ich ja vor Hannoversch
Münden einen neuen Schlauch gekauft.
Unterwegs
sahen wir ländliche Fachwerkhäuser ![]() Immer bunte Fachwerkhäuser, hier Witzenhausen
Bald
erblickten wir die Burg Ludwigstein, wo eine
Jugendherberge untergebracht ist. Dort habe ich auf
meiner langen Radtour durch Deutschland als junger
Mann übernachtet. Damals radelte ich auf der
Bundesstraße 27 gegen Süden. Der Verkehr
hielt sich damals in Grenzen, und Grenzen gab es auch
genug. An dem anderen Werraufer erblickte ich die
anscheinend leblosen Dörfer in der DDR. Auf
unserer Radtour 2011 führte durch diese
Dörfer der Radweg, und von der westlichen
Werraseite hörten wir das Dauergeräusch der
Autos auf der B 27.
![]() Fachwerkhäuser in Allendorf
Im
Fahrradgeschäft kauften wir neue Pedale und einen
Reserveschlauch, und in einer Konditorei genossen wir
Kaffee und Kuchen sowie den Glanz der
Fachwerkhäuser. Als wir weiterfahren wollten,
rief Turid: „Hey, etwas ist am Fahrrad nicht in
Ordnung!“ Ihr Hinterrad hatte einen Platten. Dann
hieß es: Rad herausnehmen, Mantel öffnen
und Schlauch herausnehmen. Es war die alte Sache: Der
Leim hatte sich an einer alten Flickstelle
gelöst. Es war der letzte Gruß von der
Sonne auf dem Campingplatz bei Bad Karlshafen. Beim
Entfernen des alten Lappens entstand ein Riss im
Schlauch. Das war aber kein Problem, denn wir standen
fast vor dem Fahrradgeschäft. Das Einbauen des
neuen Schlauchs machte ich auf dem offenen Platz vor
dem Rathaus. Als ich an dem Rad hantierte, fragte mich
ein älteres radfahrendes Ehepaar (so alt wie
wir), ob ich eine Luftpumpe brauche. Ich war über
die Frage etwas verblüfft, denn ich würde
nie auf eine große Radtour ohne eine Luftpumpe
gehen. Ich lehnte das freundliche Angebot mit einem
Neindanke ab.
Weiterlesen: Wir erreichen die Wartburg. Grenzüberschreitend Thüringen-Hessen. An der Werra Richtung Eisfeld |