Polarlichtseuche (PLS)

Diagnostische Kriterien

I Unnormales Interesse an Polarlicht (mindestens vier der folgenden):
(a) Lenkt das Gesprächsthema meistens innerhalb weniger Minuten auf das Polarlicht
(b) Ist Mitglied in mindestens drei Internetforen, Mailinglisten oder Chats zum Thema Polarlicht
(c) Besitzt mehrere Bücher zum Thema Polarlicht und hat diese auch gelesen; und/oder hat mindestens doppelt so viele Bookmarks/Favoriten zu Internetseiten über Polarlicht, Magnetometer usw. wie über andere Themen
(d) Hat sein/ihr Zimmer mit Polarlichtbildern tapeziert
(e) Hat eine Internetseite zum Thema Polarlicht
(f) Macht mindestens fünfmal so viele Polarlichtphotos wie andere Photos
(g) Besitzt mindestens ein Magnetometer

II Emotionale Instabilität (mindestens drei der folgenden):
(a) Starke Stimmungsschwankungen, die mit Polarlichtaktivität und lokalem Wetter korrelieren
(b) Gerät bei der Polarlichtbeobachtung in einen rauschähnlichen Zustand
(c) Akute Depressionen, Selbstmordgedanken und/oder übertriebener Alkoholgenuß bei erwartetem, aber nicht eintretendem Polarlicht
(d) Extreme Reizbarkeit bei unsicheren Polarlichtaussichten
(e) Panikattacken beim Ausfall eines oder mehrerer technischer Hilfsmittel (Handy, Computer o.ä.)

III Irrationale Gedanken (mindestens eins der folgenden):
(a) Aberglaube in Bezug auf Polarlicht (Beispiel: Ist überzeugt, daß Polarlicht bevorzugt dann auftritt, wenn der Himmel am Wohnort bewölkt ist; oder glaubt, daß die Polarlichtchancen steigen, wenn man anfängt zu kochen oder zu schlafen)
(b) Glaubt fest an die Existenz von Murphy
(c) Personifiziert Polarlicht, Wolken und Mond und meint, sie durch gutes Zureden, Verfluchen, Telepathie oder Kontaktanzeigen beeinflussen zu können

IV Zwanghafte, irrationale und/oder stereotype Verhaltensweisen (mindestens drei der folgenden):
(a) Typischer starrer Blick in Richtung Norden (tritt nur bei Dunkelheit auf; bei Aufenthalt weit im Norden ist derselbe starre Blick zu beobachten, jedoch nicht notwendigerweise Richtung Norden)
(b) Zwanghaftes Hin- und Herlaufen zwischen Computer und Haustür / Fenster nach Einbruch der Dunkelheit
(c) Geht nachts nie ohne komplette Photoausrüstung aus dem Haus
(d) Stundenlange nächtliche Autofahrten, Radfahrten oder Spaziergänge mit ständigen Unterbrechungen, während derer typischerweise der unter (a) genannte starre Blick auftritt
(e) Vermeidet Lichtquellen während akuter Phasen (Beispiel: Sitzt im Dunkeln am Computer)
(f) Hat immer mehrere lichtempfindliche Filme im Kühlschrank

V Gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus, besonders in akuten Phasen


Unterformen der PLS

Akute Form:
Die Symptome treten während Phasen mit gesteigerter Polarlichtaktivität auf. In polarlichtfreien Phasen zeigen die Betroffenen ein annähernd normales Verhalten.
Chronische Form:
Die Symptome variieren in Quantität und Qualität je nach Polarlichtaktivität, jedoch sind die Betroffenen auch während polarlichtfreier Phasen nicht völlig symptomfrei. Typische Symptome in polarlichtfreien Zeiten sind z.B. Depressionen, exzessives Surfen im Internet zum Thema Polarlicht und unrealistische Hoffnung auf Polarlicht auch bei ungünstigen Werten.

ã Katja Gottschewski, 2001


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