Dieser Artikel versucht, die Veränderung der Theologie
Philipp Melanchthons anhand seiner Konzeption des freien Willens in
den Loci communes rerum theologicarum von 1521 und den Loci
praecipui theologici von 1559 aufzuzeigen.
Um den Stellenwert und die Veränderung des Problems des freien Willens
innerhalb der Theologie Melanchthons abschätzen zu können, soll im
ersten Teil eine skizzenartige Annäherung an den Problemhorizont sowie
an theologiegeschichtlich entscheidende Phasen der Diskussion
vorangehen. Dabei sind Augustins Kampf gegen den pelagianischen
Synergismus, die Spannung zwischen der thomistischen und
franziskanischen Tradition in der Frage des Willensprimats wie auch
die Auseinandersetzung Luthers mit Erasmus über De servo
arbitrio von besonderer Bedeutung, weil sie alle - wie sich zeigen
wird - auf ihre Art Melanchthons Ringen mit dem Willensproblem
beeinflußten.
Darauf aufbauend schließt sich neben einigen kurzen Marginalien zu
Melanchthons theologischer Genese eine Analyse des Artikels De
hominis viribus der Loci communes und De humanis viribus
der Loci praecipui an.
Im abschließenden dritten Teil sollen die bereits im zweiten Teil
angeklungenen Unterschiede zwischen beiden Konzeptionen Melanchthons
in einem Versuch der kritischen Würdigung thesenhaft verdichtet
werden.